Situation der Daasanach

Viehbestand und Handel

 

IMG_3266Der Viehbestand pro Daasanach-Familie ist in den letzten Jahren gesunken. Aufgrund des gleichzeitigen Bevölkerungswachstums, hat sich die Zahl des Kleinviehbestandes in der Region aber zeitgleich verfünffacht. Daher kommt es zu Überweidung des ohnehin durch Dürre stark beanspruchten Ökosystems. Hunger und Armut sind das Resultat.

Um die Daasanach von der Welthungerhilfe unabhängiger zu machen, ist es notwendig, dass die Daasanach in Vieh- und Fischhandel einsteigen und sich damit wirtschaftliche unabhängig machen.

Um den Ort Illeret leben auf kenianischer Seite rund 15.000 Nomaden und Halbnomaden vom Stamm der Dassanach, die traditionell von Viehzucht und Fischerei am Turkanasee leben.

 

Ernährung und Gesundheit

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Traditionell ernähren sich die Daasanach ausschließlich von Milch, etwas Ziegenfleisch oder Fisch aus dem Turkana-See. Reines Trinkwasser ist rar, da das Wasser des Turkanasees sehr salzhaltig ist. Die Daasanach ziehen daher von einer Wasserstelle zur nächsten und werden mittlerweile durch Brunnenbau und Regenwassergewinnungsprojekten von Malteser International unterstützt.

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AIDS ist ein großes Problem in der Gegend. Dies liegt zum einen an traditionell polygamen Familiensystemen und zum anderen auch daran, dass kenianische Beamten des öffentlichen Dienstes häufig ohne ihre Familien nach Illeret versetzt werden. Sinnvoll ist es, Gesundheitsthemen mit in den Lehrplan aufzunehmen und über die Schulen eine enge Zusammenarbeit mit der Krankenstation vor Ort  oder Malteser International zu initiieren.

 

Kenianisches Schulsystem

Das traditionelle kenianische Schulsystem ist für die Situation der Daasanach weitgehend ungeeignet, da es die Lebenswirklichkeit des Nomadenvolkes unberücksichtigt lässt.

Nur ein Beispiel: In den meisten Grundschulen wird das Lernen der Buchstaben mit Hilfe von Bildern und einer Anlauttabelle gelehrt. Kenianische Lehrer verwenden hierfür für den Buchstaben „A“ das Bild vom „Apfel“.

Da die Kinder in Illeret jedoch noch nie einen Apfel gesehen haben, ist dieses Lehrmaterial kulturell unpassend. Besser ist es für den Buchstaben „A“ das Bild von einem Elefanten zu wählen, der auf Daasanach „Arab“ genannt wird.

Die nomadische Lebensweise lässt es zudem nicht zu, dass die Kinder für einen längeren Zeitraum eine lokale, aus Stein erbaute Schule besuchen.

 

Alphabetisierung und Kommunikation

Die Tatsache, dass derzeit nur ein Bruchteil der Daasanach ihre Kinder zur Schule schickt, hat weitreichende Konsequenzen. Die Analphabeten-Rate unter den Daasanach ist mit 95 Prozent extrem hoch. Um mit anderen Völkern und Nationen in Kontakt treten zu können, sind die beiden Landessprachen Englisch und Suaheli notwendig. Bessere Verständigung  mit den benachbarten, teilweise verfeindeten, Stämmen kann durch grundlegende Sprachkenntnisse besser gewährleistet und eine effektive Friedenspolitik somit vorangetrieben werden. Schriftspracherwerb kann darüber hinaus dazu dienen, das Kulturgut der Daasanach-Nomaden –  Erzählungen und Lieder – auch schriftlich zu sichern und damit langfristig bewahren zu helfen.

 

Schulbesuch

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Es gibt bereits eine Grundschule und eine weiterführende Schule in Illeret. Dieses Angebot wird aber nur von den sesshaften Daasanach in Illeret aufgegriffen. Problem ist, dass fast alle Kinder aus Nomadenfamilien stammen, d.h. sie ziehen mit ihrem Vieh umher und suchen passende Weidegründe und Wasser. Daher können viele Familien die Kinder nicht in die Schule schicken, da die Wege zu weit sind. Die Kinder helfen außerdem bei der Viehzucht und beim Hüten der Herden. Zudem werden besonders Mädchen ungern in eine entfernte Schule geschickt.